Erkrankung

„Obwohl FSME bereits im Jahr 1931 beschrieben wurde,
wird diese gefährliche Form von Encephalitis
seit langem unterschätzt.“
(Prof. Christian Kunz, Mitentwickler
des ersten FSME-Impfstoffs in Westeuropa, Wien)

Die FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis) ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die das Nervensystem befällt und neben leichten auch schwerste Krankheitsverläufe mit andauernden Krankheitsfolgen wie z. B. Lähmungen, Konzentrationsstörungen, Depressionen verursachen kann. Etwa jede 100. Erkrankung endet mit dem Tod des Betroffenen.

Risikogebiete
Die Zecke Ixodes ricinus, der gemeine Holzbock, kommt in ganz Europa vor. FSME-Endemiegebiete erstrecken sich quer durch Europa: von Kroatien, Slowenien, Ungarn, Schweiz, Österreich über die Slowakei, Tschechien, Deutschland, Polen und Südskandinavien (Schweden, Finnland) bis ins Baltikum und nach Russland (und Sibirien). Zecken leben an Waldlichtungen und auf Wiesen.

„FSME ist in Regionen von 27 europäischen Ländern endemisch
und wir entdecken jedes Jahr neue Risikogebiete.“
(Prof. Jochen Süss, Jena)

In folgenden Ländern sind Endemieherde des FSME-Virus bekannt:

AlbanienBosnienDänemark (Insel Bornholm)
DeutschlandEstlandFinnland (südwestliche Küste)
FrankreichGriechenlandItalien
KroationLettlandLiechtenstein
LitauenNorwegenÖsterreich
PolenRumänienRussland
SchwedenSchweizSerbien
SlowakeiSlowenienTschechische Republik
UkraineUngarnWeissrussland

Nicht jede Zecke überträgt das gefährliche FSME-Virus, jedoch kann die Durchseuchung in manchen Risikogebieten sehr hoch sein. In bestimmten Gebieten kann man Zecken bis zu einer Seehöhe von 1.800 m finden, Ansteckungen mit dem FSME-Virus sind bis zu einer Höhe von 1.300 m bekannt geworden.

Wo verstecken sich Zecken?
Viele glauben noch immer, die Zecken fallen von den Bäumen. Zecken leben in der Erde und klettern zur Suche nach einem Blutwirt (Menschen, Tiere) auf Gräsern und Sträuchern nicht viel höher als 20 bis 70 cm. Wir streifen Zecken also hauptsächlich von Gräsern, Sträuchern an Waldwegen oder im Gras und auch im Garten von der Vegetation beim Vorbeigehen ab. Der Holzbock reagiert mit seinen auf Temperatur und Geruchskomponenten ausgerichteten Sinnesorganen auf sein »Opfer«. Die Kleinheit der Zecke ist Grund, warum sich so viele infizierte Personen an einen Stich nicht erinnern können.

Die ersten klinischen und epidemiologischen Beobachtungen über die Verbreitung der FSME in Europa gehen auf Prim. Dr. Johann Schneider Anfang der 20er Jahre im vorigen Jahrhundert zurück. 1956 gelang es ihnen, das Virus zu isolieren und in weiterer Folge den Krankheitsverlauf genau zu beschreiben. Wegen des immer wieder beobachteten jahreszeitlich gehäuften Auftretens in den Monaten April bis Juli wurde diese Erkrankung Frühsommer-Meningoencephalitis oder kurz FSME benannt.
Aufgrund zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten und Erkenntnisse über die FSME entwickelte Univ. Prof. Dr. Christian Kunz vom Virologischen Institut der Universität Wien in den folgenden Jahren einen Impfstoff, der in den 70er Jahren erstmals zum Einsatz kam.

Lyme-Borreliose ist eine weitere durch Zecken übertragene Krankheit, die eine sogar noch weitreichendere epidemiologische Verbreitung hat als FSME. Sie wird durch Borrelia Bakterien ausgelöst und kann mit Antibiotika behandelt werden, während es gegen FSME keine wirksame Therapie gibt.
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